Gnadenkapelle Mariastein
Mariastein ist ein internationaler Wallfahrtsort, nicht zuletzt wegen der wundertätigen Maria. Rettete sie der Überlieferung nach einst einen Jungen vor dem Tod, vertrauen ihr noch heute zahlreiche Menschen aus verschiedenen Kulturen ihre Sorgen an.
Ich fahre bis zur Busstation Mariastein, Kloster. Hier wurde der neu gestaltete Klosterplatz am 11. April 2026 eingeweiht: mit 665000 Natursteinen, acht Linden und einem Wasserspiel. Die prächtige Kirche des Klosters Mariasteins zieht den Blick auf sich. Links von der Kirche wähle ich den Zugang zur Gnadenkapelle. Der Weg dorthin führt über verschiedene Gangabschnitte, etwa vorbei am ‹Schmerzensmann› und der ‹Schmerzenskapelle›. Immer wieder bezeugen Votivtafeln den Dank der Menschen für die Hilfe der Muttergottes, den Sprachen zufolge aus verschiedenen Kulturen. Dann eine Treppe. Ziemlich steil abwärts. Nicht barrierefrei…
Hier ist es noch relativ licht, denn grosse Fenster sind dem Felsen dort, wohin die Treppe führt, vorgesetzt. Umso kontrastreicher die Dunkelheit, als ich die Gnadenkapelle betrete. Doch das liegt nicht nur am gedämmten Licht, es sind auch meine eigenen Augen, die sich erst umstellen müssen. Ich blicke auf eine Mariendarstellung mit Jesuskind. Aufgrund ihres Gesichtsausdrucks wird sie auch ‹lächelnde Madonna› beziehungsweise ‹Mutter vom Trost› genannt. Aber warum hier? Normalerweise werden doch Kapellen ‹oberirdisch› errichtet, etwa St. Anna beim Kloster Mariastein, oder eine künstliche Grotte geschaffen wie für die Lourdes-Grotte in Erschwil – oder eben ein ausgestalteter Naturort genutzt, meist schlicht, wie bei Beginn des Kreuzwegs in Kleinlützel die Ölberggrotte.
In Mariastein bietet eine natürliche Felsenhöhle die Grundlage für die Gnadenkapelle. Und das kam so: Als eine Bauersfrau während einer Pause in einer Höhle einschlief, streunte ihr Junge herum und fiel ins Tal hinunter. Dank Maria, der Muttergottes, blieb er unverletzt. Der Vater habe daraufhin hier eine Kapelle errichten lassen. Urkundlich erwähnt wird die Kapelle erstmals 1434. Daran schloss sich die eine oder andere Ausschmückung an. Jedenfalls pilgerten daraufhin Gläubige zu diesem Ort. So sehr, dass der Pfarrer von Metzerlen Verstärkung durch einen ‹Wallfahrtspriester› brauchte.
Die Herkunft der Madonna-Darstellung ist unklar. Vermutet wird eine gotische Vorlage; aufgestellt wurde das Gnadenbild nach der Reformation und vor Bau des Klosters. Laut dem Kloster Mariastein gibt es für die Figuren der Maria und Jesus über zwanzig verschiedene Kleider, die je nach liturgischem Kalender angelegt werden. Kleider und Schmuck wurden von Pilgern gestiftet. 1926 wurde das Gnadenbild – im Auftrag von Papst Pius XI. – vom päpstlichen Nuntius in der Schweiz gekrönt.
Die Kapelle weist noch weitere Orte der Kontemplation auf, beispielsweise einen Altar und eine Nische mit Christus in der Felsenhöhle.
Quellen
Webseite Kloster Mariastein
‹Wochenblatt› vom 16. April 2026
Text und Fotos: Sebastian Jüngel