Schloss Neu-Thierstein Büsserach
Die Ruine von Schloss Neu-Thierstein ist ein Markenzeichen des Lüsseltals. Abgesehen von seiner wechselvollen Geschichte verbindet es historische Bausubstanz, romantisierende Nutzung und modern-schlichte Beton- und Holzarchitektur.
Es schaut aus dem Wald, thront auf einem 50 Meter Felsensporn. Und sieht so aus, als ob es unerreichbar ist. Aber das täuscht: Mit dem Bus fahre ich bis Station Büsserach, Ziegelhütte, und befinde mich damit am Fusse des Felsensporns. Von hier gehe ich entlang der Passwangstrasse zur Pfarrgasse hinauf und folge dabei dem Schild ‹Zum Schloss›. Sinnigerweise geht es dann den Schlossweg weiter. Die Asphaltstrasse wird von einem breiten Naturweg abgelöst, der bald in den Wald mündet. Das Schloss bleibt unsichtbar – bis ich plötzlich vor dem mächtigen Wohnturm stehe. Das war nicht immer so, gab es doch früher einmal so etwas wie eine Unterburg. Direkt vor dem Wohnturm gibt das Infoschild ‹Rund um das Schloss Thierstein› eine inhaltliche Orientierung über Schloss und Thiersteinhöhle. Ich komme zum Schloss beziehungsweise zum Wohnturm über eine steil aufwärts führende Treppe. Von der Terrasse blicke ich beispielsweise Richtung Erschwil. Nach einer weiteren Treppe trete ich durch ein Tor ins Innere und bin überrascht: Beton und historische Artefakte aus verschiedenen Zeiten der Burg kommen hier zusammen. Überhaupt gibt es kontrastreiche Anmutungen: eine historisierende Ritterstube und moderne Holzarchitektur der Galerien und des Glasdachs sowie das Treppenhaus aus Beton. Wie kommt es zu diesem Kontrast? Nun, in der Nacht zum 2. März 1997 stürzte die Südwestecke ein, wodurch die Passwangstrasse verschüttet wurde. Da für den Besitzer, den Schweizerischen Alpenclub, der Wiederaufbau einen zu hohen Kostendruck darstellte, kaufte die Gemeinde Büsserach ihr Wahrzeichen und liess die Burg sanieren. Unter anderem mittels Beton. So wurde aus dem alt-ehrwürdigen Wohnturm ein Beispiel für das Aufeinandertreffen von Geschichte und Moderne.
Die Burg wurde voraussichtlich 1100 unter dem Namen ‹Bello› errichtet, und zwar durch die Grafen von Saugern-Pfeffingen, die die Schirmherrschaft über das neu gegründete Kloster Beinwil innehatten. Noch vor 1200 kam die Burg in den Besitz der Grafen von Thierstein, die wohl ab 1400 auch neuer Namensgeber der Burg wurden. 1294/95 wurde die Anlage neu gegriffen – und der heute erhaltene Wohnturm entstand. Allerdings verweisen Spitzbogen-Fenster im Norden und im Westen auf den ursprünglichen Bauzustand. Wegen des Neugriffs erhielt die Burg den Zusatz ‹Neu›. Als der letzte Thiersteiner – der Graf Heinrich von Thierstein – 1519 verstarb, kam die Burg 1522 in den Besitz der Solothurner und diente als Landvogtei. Mit der Gründung der Helvetischen Republik 1798 war die Burg für den Abbruch freigegeben, doch setzten sich Privatpersonen für ihren Erhalt ein. Legendär sind die später aktiv gewordenen Basler Herren August de Bary sowie Eduard, Alfred und Gustav Bischoff, die die Burg 1857 von Büsserach erwarben und in der Ruine die Burgstube einrichteten. Nach dem Tod des letzten dieser vier ging das Schloss als Clubhaus 1893 an die Sektion Basel des Schweizerischen Alpenclubs. 1984/85 wurde Neu-Thierstein saniert und archäologisch untersucht. Seit 2001 ist die Burg in ihrer neuen Gestalt zugänglich.
Adresse:
Schloss Thierstein
Schlossweg
4227 Büsserach
Besichtung an bestimmten Tagen zwischen Frühsommer und Herbst.
Quellen
Infoschild rund um das Schloss Thierstein
Ordner mit Dokumenten zur Geschichte der Burg Neu-Thierstein in der Ritterstube
Text und Fotos: Sebastian Jüngel