Heilig Geist Kirche Flüh
Das an interessanten Kirchenbauten reiche Schwarzbubenland hat auch einen konzeptionell besonderen Sakralbau, den ersten ökumenischen Kirchenbau in der Schweiz: die Heilig-Geist-Kirche in Flüh.
Busstation Flüh, Schulhaus. Ich steige aus und gehe die Talstrasse entlang, lasse dabei die Hofstetterstrasse links und später die Schulstrasse rechts liegen, bis ich in der Buttistrasse rechts dem Schild zur ökumenischen Kirche folge. Vielleicht 400 Meter weiter zeigt der Parkplatz an, dass ich am Ziel bin: die ökumenische Kirche in Flüh. Nun noch die Treppe und den Weg hinunter auf das imposante Flachgebäude zu! Denn dieser Bau hat keinen dominierenden Kirchenturm, der ‹hervorragt›, sondern einen offenen Glockenturm, der dem Kirchenraum bezüglich Höhe den optischen Vortritt lässt und der Witterung unmittelbar ausgesetzt ist. Seine Glocke trägt die Inschrift: «Errichtet zur Zeit der irischen Wirren als Rufer zum Frieden.» Das bezieht sich auf den Nordirlandkonflikt 1974. Seine expressionistische Form weist nach oben.
Die Kirchengeschichte kennt nicht so viele Beispiele dieser Art – die Heilig-Geist-Kirche ist immerhin der erste ökumenische Kirchenbau in der Schweiz. Wobei, wie Thomas Brunnschweiler im ‹Wochenblatt› vom 29. September 2024 schreibt, «es schon im 16. Jahrhundert sogenannte paritätische Kirchen oder Simultankirchen gab». Und: Schon seit 1971 gibt es im Baselbieter Langendorf ein ökumenisches Kirchenzentrum, jedoch hier noch mit konfessionell getrennten Kirchenräumen, die über den Keller auf etwas Gemeinsamem ruhen.
Hier, in Flüh, wollten die katholische und die reformierte Kirchgemeinde einen Kirchenbau gemeinsam nutzen, nicht zuletzt auch für ökumenische Feiern. Dass dabei auch säkulare Gründe mit hinein spielten – die Reduktion von Baukosten –, sei der Vollständigkeit halber noch erwähnt. Dabei unterstützte die Stimmung des 21. ökumentischen Konzils (= Zweites Vatikanisches Konzil) vom 11. Oktober 1962 bis 8. Dezember 1965 unter Papst Johannes XXIII das Bedürfnis eines stärkeren Zusammenwirkens: Die Taufe wurde gegenseitig anerkannt, die Ehe konnte ökumenisch geschlossen werden. Schon seit 1954 feierten Katholiken und Reformierte in Flüh in der neu gebauten Turnhalle (getrennt) ihre Gottesdienste. Ab 1966 wurden die Voraussetzungen für den gemeinsamen Bau durch Gründung entsprechender Kommissionen geschaffen, am 17. Mai 1971 die Baupläne der Architekten Bühler/Müller von Therwil/Binningen genehmigt. Und so konnte es am 5. November 1972 mit der Grundsteinlegung losgehen. Ein gutes Jahr später, am 1. Dezember 1973, erfolgte die Übergabe des Kirchenbaus an die Vertreter der beiden Kirchgemeinden. Mit dem ersten ökumenischen Gottesdienst am 8. Dezember 1973 begann das Anliegen, Praxis zu werden, die Weihe erfolgte am 20. Januar 1974.
Ich betrete den inneren Kirchenraum. Erster Eindruck: Er ist schlicht und klar gegliedert. Der Altar ist aus Holz, die Kanzel wenig erhoben, ein einfaches Holzkreuz. Nichts scheint zu viel zu sein, alles auf das Mindeste abgemessen. Oder: Kein Span zu viel. Von links scheint ein violettes Lichtband in den Raum. Bei einer anderen Perspektiven zeigt sich, dass die Quelle dafür hohe, schmale Fenster sind. Geschaffen hat sie Samuel Buri 2012. Auch hier ist die Motivdarstellung einfach, stilisiert. Die gelben runden Flächen stehen für das Manna, das die israelitische Gemeinde und Moses bekommen haben (Exodus 16). Für die hellen Stellen wurde das blaue Überfangglas im Säurebad geätzt, dann erfolgte eine Versilberung und eine Brandstufe. Eigentlich hatte hier mal ein Wandteppich von Elsi Giaque gehangen, der, so weiss Leandra Sommaruga in der ‹bz› vom 16. Februar 2024, von einer Reinigung ungeplant rosarot zurückkam.
Das, was ich hier in Schlicht- und Einfachheit der Einrichtungen und des Altars sowie der Sitzordnung wahrgenommen habe, dürfte ganz im Sinne des ökumenischen Ansatzes sein. Hinzu kommt, das hier der Lichteinfall eine wichtige Rolle spielt. Da kommt mir der Gedanke: Ja, hängen nicht Ökumene und Pfingsten eng zusammen? Das Sprechen in verschiedenen Zungen und trotzdem ein Verständnis: Einheit in der Vielfalt. Die Beziehung zum Heiligen Geist zeigt sich unter anderem im farbigen Licht. Et voilà: Die Kirche heisst ja Heilig-Geist-Kirche! Die Heilig-Geist-Kirche ist übrigens seit 2015 eine der Stationen des Jakobswegs.
Als ich draussen bin, entdecke ich ein Untergeschoss. Hier gibt es einen Jugendraum mit Bar und Discokugel, wie Thomas Brunnschweiler berichtet.
Adresse
Heilig-Geist-Kirche, Buttiweg 26, 4112 Flüh
Täglich geöffnet von 8 bis 20 Uhr im Sommer und bis 18 Uhr im Winter
Führungen nach Vereinbarung.
Quellen
Wikipedia, ‹Heiliggeistkirche Flüh›
‹Kirchenbote› vom 11. Januar 2024
‹Wochenblatt›, 26. September 2024
Webseite der Ökumenischen Kirche
Text und Fotos: Sebastian Jüngel