Glitzersteinhöhle Gempen
Was verbirgt sich eigentlich hinter den im Schwarzbubenland immer wieder markant sichtbaren Kalkfelsen? Bei Gempen kann man solch einen Felsen betreten: die Glitzersteinhöhle. Doch Achtung: Erfahrung und Ausstattung für das Begehen von Höhlen sind Voraussetzung.
Wie oft hörte ich von der Glitzersteinhöhle. Wenn ich genauer nachfragte, zeigte sich, dass es anderen wie mir ging: Diese Höhle ist zwar bekannt, aber es gibt wenig eigene Erfahrungen. Als öffentliche Quellen gibt es immerhin einen detaillierten Höhlenplan von John Haller von 1948.
Also nehme ich Kontakt mit der Bürgergemeinde Gempen auf, die den Zugang verwaltet und den Schlüssel zur Höhle unkompliziert bereitstellt. Leider hatte es die letzten Tage geregnet, sodass der Zugang vermutlich erschwert oder unmöglich sein wird.
Ausgestattet mit festen Schuhen, wärmender Jacke, Helm und Taschenlampen machen wir uns vom Dorf Gempen aus auf den Weg über die Hauptstrasse zur Dornachstrasse, zu der es bald einen parallelen Wanderweg gibt. Nach der Kehre der Dornachstrasse beim Reservoir der Wasserversorgung Gempen geht der Wanderweg zunächst mit der Strasse mit, dann wieder parallel zu ihr. Nach ein paar Schritten ist eine Treppe zu erkennen. Ihr folgen wir aufwärts – bis an die Felswand in etwa 640 Meter Höhe am Fusse der Fluh.
Wir folgen dann rechts dem fast zugewachsenen Pfad und erwarten voller Spannung, dass sich irgendwo die Felsenwand öffnet. Tatsächlich: eine Eisengittertür. Wir holen freudig den Schlüssel hervor – und nach einigen Versuchen öffnet sich die Pforte. Schon nach einigen Metern ins Höhleninnere herrscht Dunkelheit. Ein besonderes Erlebnis! Wir schalten die Taschenlampen ein und tasten uns vorsichtig vorwärts. Der Boden ist feucht, die Höhlenwände sind es auch. Aber was ist das? Da glitzert es! Bei den kristallinen Formen handelt es sich jedoch nicht um Bergkristall, sondern um Calzit, mal klar, mal milchig. Doch ob Bergkristall oder nicht: Faszinierend sind die glitzernden Wände allemal. Und wir sehen, wie es in einer Höhle der Jurakalk-Karstlandschaft aussieht. Es handelt sich, so beschreiben es Fachleute, um Korallenkalk im Stadium der Versinterung.
Nach vielleicht 60, 70 Metern kommen wir an eine Stelle, wo wir uns hätten stark bücken oder wo wir sogar hätten robben müssen. Das machen wir nicht. Wir erfreuen uns vielmehr an unserem ersten Einblick in die Glitzersteinhöhle, wo es nicht nur glitzert: Im Schein der Taschenlampen werden immer wieder andere Farben reflektiert. Auf dem Rückweg meinen wir, etwas zu hören. Eine Fledermaus? Wir schalten die Taschenlampen aus. Ein zartes Naturlicht findet seinen Weg in die Höhle. Nach sorgfältigem Verschliessen der Gittertür erleben wir, was es heisst, aus einer Höhle zu kommen. Mich erinnert das daran, wie es ist, wenn man nach einer Bootsfahrt wieder das Festland betritt. Wir gehen nicht denselben Weg abwärts zur Dornachstrasse zurück, sondern klettern den sehr steilen Pfad rechts aufwärts. So erreichen wir bald das Dorf Gempen.
Die Höhle ist von Mai bis September zugänglich, die restliche Zeit ist den Fledermäusen der Art ‹Grosse Hufeisennase› für die ungestörte Überwinterung vorbehalten. Der Kontakt erfolgt über die Bürgergemeinde Gempen
Quellen
Arnfried Becker: Wer war John Haller? [Mit Höhlenplan]
Geographischer Exkursionsführer der Schweiz
Text und Fotos: Sebastian Jüngel