Mühle Büren
In Büren klapperte einst eine Mühle, eigentlich sogar deren zwei. Sie sind Industriedenkmäler aus einer Zeit, in der Mahlen wichtig und ein umkämpftes Gewerbe war. Nicht nur der Name der kleineren der beiden Mühlen umgibt ein besonderes Fluidum. Wobei der Ausdruck hier durchaus im Sinne von „Ausstrahlung“ verstanden werden darf.
Der Bus bringt mich zur Station Büren, Gemeindehaus. Ich gehe die Seewenstrasse Richtung Seewen, komme am Kohliberg vorbei und gehe links in die Strasse mit dem sinnigen Namen ‹Mühle›. Nach 60, vielleicht 80 Metern stehe ich vor der Beinmühle. Sie ist klein. Auf dem Gelände weiter oben gibt es eine deutlich grössere Mühle. Doch mir geht es für diesmal um die kleine Mühle. Sie liegt in einer Senke, natürlich an einem Bach, gespeist von der Büntenquelle und der Duffquelle. Zum Ausgleich einer unregelmässigen Wasserverfügbarkeit diente der Mühlenweiher; gegebenenfalls musste im trockenen Sommer oder in kalten Wintern der Betrieb mangels Wasser eingestellt werden.
Die Mühle wirkt etwas geheimnisvoll und gedrungen, jedoch nicht düster. Die Öffnungen erlauben Einblicke. Da ist einmal der Raum mit dem Mahlwerk mit Steinen aus Granit. Der Bodenstein hat einen Durchmesser von 1,3 Metern und 50 Zentimetern Höhe. Um die Ecke ist das Wasserrad zu finden. Es hat einen Durchmesser von 6,7 Metern, ist aus Eiche und hat Eisenschaufeln; es wurde oberschlächtig (von oben) mit Wasser versorgt.
Näheres zur Geschichte der Bürener Mühlen erfahre ich aus der Zeitschrift ‹Jurablätter › Nr. 5/1990. Die obere Mühle geht aufs 15. Jahrhundert zurück, die untere Mühle stammt aus einer etwas späteren Zeit, vermutlich ab 1600. Erkennbar sei das, so Markus Schmid, an dem spätgotischen Türportal (Rundbögen, Kanten) und am kleinen Fenster. Aus der Erhöhung des Radhauses (Ketthaus) ist zu schliessen, dass das Wasserrad mit einem Durchmesser von vielleicht vier Metern weniger gross war als heute.
Mühlen waren für ein Dorf einst wichtige Einrichtungen – Kurt Stürchler sieht sie auf einer Ebene wie die Kirche, das Pfarrhaus und das Gasthaus. Bis zur Verbreitung der Kartoffel im 18. Jahrhundert war der Anbau von Getreide auch im Schwarzbubenland üblich(er). Wer das Getreide mahlen durfte, war immer wieder ein Streitpunkt, zumindest in Büren und Umgebung. 1660 ging die Mühle an das Kloster Beinwil (Mariastein), später wieder in privaten Besitz.
Die technische Entwicklung (Elektrizität) und die Reduktion der Wassermenge im Bach infolge der Wasserversorgung Büren und Hochwald brachten das traditionelle Mühlensystem unter Druck. Wurde die untere Mühle im 20. Jahrhundert schon nicht mehr zum Mahlen, sondern zum Brechen (zum Herstellen von Schrot) genutzt, wurde hier der Mühlenbetrieb 1973 ganz eingestellt.
Warum aber heisst die Mühle ‹Beinmühle›? Markus Schmid kann darauf keine endgültige Antwort geben, zumal es keine Hinweise auf die Verarbeitung von Knochen (Bein/Gebeine) gibt. Er kann sich aber einen Bezug zum einstigen Besitzer Kloster Beinwil vorstellen oder den Namen im Zusammenhang von ‹Beimühle› (als Nebenmühle) verstehen.
Und die obere Mühle, birgt auch sie ein ‹Geheimnis›? Nun, hier wurde 1884 der spätere Bundesrat Walter Stampfli geboren.
In der Nähe
Wanderung von Büren nach Nuglar mit Marienkasten und Burgruine Sternenberg
Quelle
Büren SO Mühle und Beimühle in Jurablätter mit Ausführungen von Kurt Stürchler, Willy Meier und Markus Schmid
Text und Fotos: Sebastian Jüngel